“Dieses Drecksblatt, das so widerlich ist, dass man toten Fisch beleidigt, wenn man ihn drin einwickelt!”

Zum 60. Geburtstag der BILD-Zeitung plant der Axel-Springer-Konzern eine ungeheuerliche Werbemaßnahme: Jeder Haushalt soll ein kostenloses Exemplar bekommen – ungefragt. Verweigern Sie mit dieser Mail-Aktion an die “Bild” die Zustellung des Jubiläum-Exemplars!

Das Zitat im Titel stammt übrigens von Volker Pispers.

Max Goldt fügt dem auch noch einiges hinzu:

An sich könnte man die “Bild” in ihrer kleinbürgerlichen Häßlichkeit einfach ignorieren, ebenso wie man in der Lage ist, Weihnachtsmärkte, Abba-Musicals und die frühabendlichen Klatschmagazine des Fernsehens zu ignorieren. Schließlich ist sie nüchtern betrachtet keineswegs übermäßig erfolgreich. Ein Blatt, das dermaßen vulgär daherkommt und sich seit Ewigkeiten mit Kleineleuteversteherei drastischster Art anbiedert, müßte angesichts des völligen Fehlens einer Konkurrenz eigentlich mehr als gerade mal 3,5 Millionen Exemplare absetzen. Die Zielgruppe ist doch viel größer. Man könnte von einer beispiellosen Mißerfolgsgeschichte reden. Um so idiotischer ist es, daß überall so getan wird, “Bild” sei ein unverzichtbares Steinchen im großen deutschen Mosaik. An “Bild” käme niemand vorbei, wird gesagt. Ja, warum denn nicht? Vielleicht sollte man erst einmal versuchen, an ihr vorbeizukommen! Meiner Erfahrung nach ist das gar nicht schwer.

Ergänzend schreibt er:

Eine “Bild”-Kritik von links wirkt nicht sonderlich überraschend. Man denkt: “Ach, das wird so ein wehmütiger Nachhall von Leuten wie Wallraff und Staeck sein. Warum sollte ich das hier und heute lesen?” Publizistisch effektiver wäre “Bild”-Kritik, die aus einem nicht dezidiert linken, sondern womöglich traditionell christlich fundierten Verlag kommt. Menschen, deren Konservativismus mehr umfaßt als eine affig-modische Anti-68-Haltung, hätten durchaus nicht weniger Anlaß als Linke, die “Bild”-Zeitung, ihre jahrzehntelange Tradition im Versimpeln, Verbiegen und Verleumden, den Sexualklatsch und die pornografisch gestalteten Zuhälteranzeigen abzulehnen. Solange deutsche Konservative es versäumen, ihre Distanz zu diesem unseligen Milieu öffentlich schärfstens deutlich machen, können sie mir mal im Mondschein begegnen.

Nachzulesen ist das hier.

Er hatte die “Bild” bereits früher massiv kritisiert.

Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.

 

Lehnen Sie die Zustellung der angeblich kostenlosen “Bild” unbedingt ab! Keinen Finger breit Raum soll der Springer-Verlag in unserem Leben einnehmen können!

16. Mai 2012 von instroemen
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Die Welt nach Bild, dem großen Wissenschaftsmagazin

“Wissenschaftler sicher: DINOSAURIER-PUPSE HABEN DIE ERDE ERWÄRMT”

Instroemen sicher: heute ist der Springer-Verlag ganz allein für die heiße Luft verantwortlich. Lesen Sie dazu bitte folgenden Beitrag:

http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=13144

08. Mai 2012 von instroemen
Kategorien: Allgemein, Alltagsbetrachtungen | Schlagwörter: , , , | Schreibe einen Kommentar

Meta-Artikel zu Sven Regener

Ich wurde in Kommentaren auf einiges hingewiesen – deshalb eine Ergänzung zum Artikel über Sven Regener:

Ich schätze Herrn Regener für seine klugen Texte und seine oft ruppige, aber immer ehrliche, sehr direkte Art. Ihn stört etwas gewaltig, und er lässt es raus. An sich finde ich das hervorragend und richtig.

Was ich kritisieren wollte, war die Richtung seiner Gedanken. Herr Regener scheint nicht an Lösungen interessiert zu sein, sondern findet derzeit einfach erst einmal alles scheiße, wie es ist. Es fehlt, weil es ein Wutausbruch war, der Mut, aus bekannten Mustern auszubrechen und sich vor allen Dingen zu überlegen: wenn ich Musik machen und davon leben will – wie ist das noch möglich?

Ich möchte nicht so verstanden werden, als sei ich absolut nicht seiner Meinung und würde sagen: “Ja, die Leut’ kopieren halt, muss man mit leben.” – Nein, ich kaufe viel Musik im Original, auf LP. Ich schätze einen guten Tonträger, ich schätze aber genau so sehr die Möglichkeiten der entmaterialisierten Musik. Ich habe einen Weg gefunden, damit umzugehen, dass die CD tot ist und Musik anders stattfindet: was auf LP erscheint, wird bei Gefallen auf LP gekauft. Was nur auf CD oder nur als Download zu haben ist, das muss ich dann auch nicht kaufen. Funktioniert erstaunlich gut.

Wenn Künstler dann aber bei ihren LPs versäumen, einen Download-Link beizulegen – dann ist das nicht zeitgemäß. Dann ist das frech und – mit Sven Regeners Worten gesprochen – verdammt “uncool”.

Mir fehlen in der erhitzten Debatte die Versuche, eine echte Lösung zu erarbeiten, von der im besten Fall alle profitieren können: eine faire Bezahlung für Musiker ebenso, wie faire Preise für Musikkonsumenten. Faire Ticketpreise bei Konzerten. Ein System, in dem es nicht mehr einfacher sein darf, sich Musik illegal zu beschaffen, als sie käuflich zu erwerben. Und davon sind wir im Moment meilenweit entfernt!

27. März 2012 von instroemen
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Lieber Sven Regener,…

mir steht es ebenfalls “bis hier“. Im Netz wird heftig debattiert, wie man Ihre Aussagen nun zu verstehen habe. Ich möchte natürlich, da dieser Blog auch viel mit Musik zu tun haben soll, ebenfalls auf diese Debatte eingehen und beim “flogging a dead horse” auf den fahrenden Zug aufspringen. Ich danke Ihnen für die Vorlage, nun geht’s aber los:

Es wird so getan, als ob wir Kunst machen als Hobby. Das Rumgetrampel darauf, dass wir uncool seien, wenn wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben, ist im Grunde nichts anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt.

Das Beharren darauf, dass Plattenfirmen und Vertriebe nötig seien, um Musik zu vermarkten, ist nicht nur uncool. Es ist schlichtweg realitätsfern. Neue Vertriebswege haben innovativere Bands bereits erfolgreich ausprobiert und konnten davon sehr gut leben. Prominentestes Beispiel mit vermutlich großer Fanschnittmenge sind die Einstürzenden Neubauten, die mit ihrer Supporter-Idee wieder einmal allen voraus waren. Sie haben darüber hinaus ihre eigene kleine Plattenfirma Potomak gegründet, und zeigen mit dem Freibank Musikverlag, dass man  Vervielfältigungsrechte auch anders wahrnehmen kann. [Diese Stelle wurde verändert, um das Missverständnis zu beseitigen, das hier entstehen konnte. Danke an die Kommentatoren. -instroemen]

Zu glauben, man könne auf Plattenfirmen verzichten und trotzdem würde man noch dieselbe Musiklandschaft vorfinden, wie wir sie jetzt haben, das ist ein großer Irrtum.

Wenn die Musiklandschaft heute eines zeigt, dann doch, dass sich Musik sehr gut live erleben lässt und Bands vor allem dann eine Chance haben, wenn sie live gut sind. Die Musik ist also nicht tot zu bekommen – es verändert sich der Musikkonsum. Das Event wird wichtiger, man hört Musik nicht mehr im Wohnzimmer auf der Couch von LP oder CD. Sie wird unterwegs konsumiert, was Apple früh erkannte. Der Erfolg des iPod ist eine Erfolgsgeschichte der Mobilität, die weiter geht, als Sony den Walkman tragen konnte. Und der Walkman lief mit selbst bespielten Kassetten, mit Musik, die man aus dem Radio oder von den Platten des großen Bruders bespielte. Nur wirklich harte Sammler besaßen alles, was gut war, auch im Original.

Die Leute zwischen 15 und 30 haben keine endemische Musik mehr.

Das ist doch unverschämt, Sie alter Mann! Ich gehöre diesen Menschen an, ich habe sehr wohl solche Musik. Ich höre sie doch jeden Tag. Ich höre sogar Ihre Platten, weil ich Ihre Musik mag. Ich besitze diese sogar im Original. Sie können mir die Musik nicht nehmen, Herr Regener!

 Youtube gehört Google. Das ist ein milliardenschwerer Konzern, der aber nicht bereit ist, pro Klick zu bezahlen.

Ja. Da kann man nur zustimmen. Das ist richtig – das Geschäftsmodell hinter YouTube ist aber durchaus innovativ. Die Plattenfirmen haben nur sehr lange zugesehen und plötzlich etwas abbekommen wollen, statt selbst frühzeitig Entwicklungen zu erkennen und ein solches, attraktives Portal aufzubauen. CDs mit Kopierschutz statt ordentlicher Downloadangebote, das war ein tödlicher Irrweg!

Wir sind die Penner in der letzten Reihe.

Herr Regener, das glauben Sie doch nicht wirklich, oder? Spielen Sie öfter live, dann klappt’s auch wieder mit den Einnahmen!

Der örtliche [in München, Anm. instroemen] Chef hier von der Piratenpartei, der hat eine Firma, die machen Apps für I-Phone. Das ist ein geschlossenes System, 100 Prozent Copyright mit Anwälten und allem Drum und Dran.

Einerseits ja. Andererseits eben eines, das zig mal innovativer war, als das geschlossene System der Plattenfirmen. Sie haben insofern Recht, als dass man sich fragen kann, ob der Herr bei den Piraten nicht eigentlich Lobbyarbeit betreibt.

Herr Regener, denken Sie einmal etwas abseits der bequemen alten Pfade aus den seligen 80ern und 90ern. So sehr ich Ihre Musik schätze, so sehr fällt doch auf, wie systembejahend Sie in Ihren Aussagen dem Geld hinterher hecheln und sich damit selbst die Karten aus der Hand nehmen. Sie reklamieren ein Recht auf Geld für Künstler. Das würde aber bedeuten, dass Sie selbst keine Kunst machen, sondern ein Produkt herstellen. Und dieses dann verkaufen wollen. Das ist offenbar Ihr Primärziel – so funktioniert das aber nicht mehr. Die Leute wollen Musik haben, die auf Platte gut ist. Sie wollen durchaus auch Geld ausgeben dafür, aber eben nicht für alles, was nur ab und an gehört wird. Deshalb sind Angebote wie “spotify” so beliebt: man kann’s immer mal anhören, muss es aber nicht im Schrank einstauben lassen, nachdem es für 20 Euro erworben wurde.

Ich gebe Ihnen Recht: es wird zu viel darüber gesprochen, dass man das Urheber- und Verwertungsrecht liberalisieren und die Download-User nicht kriminalisieren solle. Ich halte aber dagegen: es ist längst Realität, dass man mit Platten kein Geld mehr machen kann. Vor allem auch deshalb, weil Platten = CDs ein digitaler Tonträger ohne jeden Wert sind. Wenn schon digital, dann doch gleich auch entmaterialisiert. Dieser Schritt ist nur konsequent. LPs wären eine Lösung für einen kleinen, Tonträger schätzenden Kundenkreis. Der Rest ist mit Downloads und Streams zufrieden, und man sollte diesem Rest auch genau das geben. Und dann haben wir das Problem: wie bezahlen wir die Künstler? Wie vermarkten wir Musik? Wie wird das alles gerecht angestellt, ohne dass am Ende die Dienstleister mehr verdienen, als diejenigen, welche die Inhalte künstlerisch hergestellt haben?
Sie haben auf diese Fragen keine Antworten, sondern ausschließlich Gemecker. Sie erwarten, dass es wieder so läuft, wie früher – man macht eine Platte, die von einem (Indie-)Label herausgebracht und von einem kleinen Vertrieb in die Plattenläden gestellt wird. Die wird dann gekauft und alle verdienen daran. Das geht aber nicht mehr, wenn die Platte ein Download ist! Da fällt der Vertrieb in die Hände eines Dienstleisters, und nach dem Mastering kann der Künstler das direkt selbst machen, wenn er will. Er hat die Chance und den Fluch der Direktvermarktung vor sich, er kann in die Fänge der Dienstleister geraten und sich abzocken lassen – oder es läuft gut und er verdient direkt an seiner Musik, ohne große Umwege.
Ich sehe Vor- und Nachteile des neuen Systems, aber ich sehe auch, dass es Realitäten sind, gegen die Sie hier angewettert haben. Stellen Sie sich diesen und fragen Sie sich, weshalb die Realitäten so aussehen und ob wirklich die bösen User Schuld daran tragen oder nicht doch Versäumnisse der Plattenfirmen, gerade im Indie-Bereich. Ob die Kundenbindung an den Künstler, um in Ihrer Sprache zu bleiben, nicht doch herzustellen wäre, wenn nur die Musik gut genug wäre? Ich denke doch, dass das gehen sollte. Und sage noch einmal: Musik findet heute (wieder) vor allem live statt. Veranstalter und Bands verdienen dadurch Geld. Können Sie das widerlegen oder stimmen Sie mir zu?

Sehen Sie es ein: ohne alternative Vertriebswege, Direktvertrieb und mehr Liveaktionen wird das nichts mehr. Musik ist aber kein reines materielles Produkt. Allerorten zeigen junge Künstler, dass es auch ohne Plattenvertrag geht. Immer mehr Musiker verstehen, dass Ihre Alben eigentlich in erster Linie der Werbeträger für die Tour sind. Und dennoch erscheinen solche Meisterwerke wie das Debütalbum von Anna Calvi. Es läuft eigentlich alles gut.

Ich grüße Sie,

instroemen

26. März 2012 von instroemen
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Streetart – Zitate mit dem Känguruh

Marc-Uwe Kling hat mehrere Bücher geschrieben. Eine seiner besten Ideen war das falsche Zuschreiben von Zitaten. Dies soll hier, Vorsicht Kalauer, zitiert werden (haha) – da die einfache Methode enormes Potential hat! Eine Auswahl der schönsten falsch zugeschriebenen Zitate:

 

“Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.”

Harry Potter

“Diese Vorgänge sind mir nicht bekannt gewesen und ich verspreche die brutalstmögliche Aufklärung.”

Dr. Sommer

“Hier stehe ich, ich kann nicht anders.”

Das rote Ampelmännchen

“Die Phönizier haben das Geld erfunden. Aber warum so wenig?”

Standard & Poors

“Erst hatten wir kein Glück. Und dann kam auch noch Pech dazu.”

Anton Schlecker

“For You. Vor Ort.”

Die V-Leute des Verfassungsschutzes

“Das ist Wahnsinn. Warum schickst du mich in die Hölle, Hölle, Hölle.”

Bischof Walter Mixa

“I kissed a girl and i liked it.”

Silvio Berlusconi

“Oops I did it again.”

Silvio Berlusconi

“Dafür stehe ich mit meinem Namen.”

Karl-Theodor zu Guttenberg

“Wenn Wahlen etwas verändern würden, dann wären sie verboten.”

Vladimir Putin

 

Kaufen Sie die Bücher des Autoren bitte nicht bei einer Rolltreppenbuchhandlung (Zitat Max Goldt), sondern direkt beim Autoren.

 

Ich schiebe einige nach. Es ist erstaunlich, wie gut das selbst mit den schlimmsten Verbrechern der Menschheitsgeschichte funktioniert – und wie entlarvend dies für die zeitgenössischen Mächtigen zum Großteil ist!

 

“Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß.”

Angela Merkel

“Jede Gesellschaftsordnung entsteht nur durch die finanzielle Unterstützung einer bestimmten Klasse.”

Josef Ackermann

“Der Mensch ist nicht frei, wenn jemand anderes steuert, was er braucht, weil diese Not zur Versklavung des Menschen durch den Menschen führen kann.”

Joachim Gauck

 

Die Autoren der letzten drei Zitate seien hier noch angegeben, für alle, die’s interessiert – einfach von hinten nach vorne lesen und zuordnen: Ifaddag Rammaum, Ninel, Reltih Floda

26. März 2012 von instroemen
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Spotifacebook

Die CD ist tot. Keine Frage. Dienste wie “Spotify” nageln den Sarg mit den letzten Sargnägeln zu, die noch gefehlt haben. Machen dabei aus kommerzieller Sicht auch alles richtig, aus moralischer aber wie so oft so vieles falsch.

Um den neuen Dienst “Spotify” nutzen zu können, benötigen User einen Facebook-Account. So kann man eine gute Idee auch kaputt machen. Ich werde niemals bei Facebook angemeldet sein, und nutze dann lieber einen guten modernen Dienst nicht, als mich dazu zwingen zu lassen, mich bei diesem Unternehmen zum Werbeanalystendatenzulieferer versklaven zu lassen!

Früher war es “Copy kills music” – heute ist es “Industry kills music by making Geschäfte with the Devil in Gestalt of Facebook”. Zum Glück kann man nach wie vor LPs kaufen…

15. März 2012 von instroemen
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Heute ist in China ein Sack Reis in gefährliche Schieflage geraten. Und Facebook war kurz down.

Meine Gedanken bei den heutigen Meldungen zur Downtime des großen sozialen Netzwerks Facebook.

Man muss dieses Netzwerk nicht nutzen – es ist dennoch omnipräsent. Und wieder einmal stellt sich mir die Frage: bei einem Unternehmen, das so viele User hat, für seine Services von diesen aber kein Geld verlangt, aber an der Börse Gewinne erzielen möchte… wer ist da der Kunde? Es liegt auf der Hand, dass der User das nicht sein kann. Der User ist das Produkt. Die Kunden sind die Werbenden, welche Facebook dafür bezahlen, dass sie ihre Botschaften so zielgerichtet wie nie zuvor an den User bringen dürfen. Der User ist nicht nur das Produkt. Er ist sogar bereit, für die Werbenden zu arbeiten, indem er Facebook über die “Gefällt mir!”-Buttons und das Ausfüllen seines Profils, über das Versenden von Nachrichten und Spielen von Spielen genauestens informiert, was ihn interessiert, wer er ist, wo er arbeitet, welche Freunde er hat und mit wem er wann was unternimmt. Er ist also quasi Arbeitnehmer und Produkt zugleich. Und das alles kostenlos? Nein. Aber unbezahlte Arbeit so zu verpacken, dass der User denkt, er habe Vorteile davon, das ist doch ein sehr spezielles, nie dagewesenes Geschäftsmodell.

Gefällt mir nicht!

07. März 2012 von instroemen
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Ehre, Ehre – wenn ich das schon höre…

84% der Springer-Leser wollen den bösen Wulff dazu bewegen, seinen Ehrensold nicht zu erhalten. Was fehlt in der Debatte? Wieder einmal die Frage: wovon wollen die Massenmedienmacher mit dieser Debatte ablenken? Knapp 200.000 Euro im Jahr sind nichts im Vergleich zu den Unmengen an Geld, die man 2008 und jetzt wieder den Banken und Bänkern in den Arsch geblasen zugesagt hat.

Wenn in dieser Debatte nicht bald jemand nicht mehr über die Reform des Ehrensolds, sondern über die Abschaffung des Bundespräsidenten spricht, dann… ist das weiterhin nur eins: verlogen. Brauchen wir einen Grüßaugust, einen Winkewulff – dann brauchen wir auch einen Ehrensold für diese unnützen Relikte altpreußischen Kaiserersatzes. Brauchen wir keinen Bundespräsidenten – dann können wir auch endlich über Inhalte diskutieren.

04. März 2012 von instroemen
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Nachtrag zum vorigen Artikel: “Hau den Moslem!”

Das Nachrichtenportal SPON verbreitet eine neue Studie des Bundesinnenministeriums. Demnach seien angeblich 25% der in Deutschland lebenden jungen Muslime Totalverweigerer, wenn es um Integration gehe. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, kommentierte dies in der “Neuen Osnabrücker Zeitung” am Donnerstag wie folgt: “Diese Integrationsverweigerung muss nicht, aber kann den Nährboden für religiösen Fanatismus und Terrorismus darstellen”. Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) äußerte sich in einer großen deutschen Boulevardzeitung eines Berliner Verlags: “Deutschland achtet die Herkunft und kulturelle Identität seiner Zuwanderer. Aber wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten. Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben.”.

Eine Studie, für die 700 junge Menschen telefonisch befragt wurden und 692 Fernsehbeiträge kritisch analysiert wurden, wird hier für bare Münze genommen. Der Artikel auf SPON nennt nicht die Fragen der Telefonbefragung. Stark gefärbt wird ein Bild mehrerer Jugendlicher, von hinten und unten fotografiert und mit umgehängter türkischer und zweiter, für mich nicht eindeutig zu bestimmender (mangels Kenntnis, gebe ich zu) Flagge, vor dem Brandenburger Tor in Berlin entstanden, mit dem Satz “Junge Muslime in Berlin: Viele junge Muslime ohne Willen zur Integration.” unterschrieben. Die oben zitierten Aussagen der Minister zeigen wieder einmal, dass der CDU/CSU an der Mehrung antimuslimischer Ressentiments gelegen ist. Zeigen, dass der Sprung vom Rechtskonservativen zum Rechtsextremen ein sehr kleiner ist.

Gegenstimmen kommen zum Glück auch aus dem Lager der Regierungskoalition. “Ich muss mich schon wundern, dass das BMI erneut Steuergelder darauf verwendet, eine Studie zu finanzieren, die Schlagzeilen produziert, aber keinerlei Erkenntnisse”, so der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, in der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Er erkannte, dass “Provokation und kulturelle Abgrenzung” eine Motivation für den vermeintlich fehlenden Integrationswillen seien und jugendliche Attitüde hier wesentlich einflussreicher auf die Ergebnisse der Studie ist, als tatsächlich extremistisches Gedankengut.

Der für die Studie mitverantwortliche Jenaer Psychologe Wolfgang Frindte ist der Ansicht, die erlangten Zahlen seien nicht überraschend. Würden auch die Eltern- und Großelterngenerationen einbezogen, zeige sich, dass der Anteil radikaler Einstellungen sinke und sich die Muslime deutlich vom islamistischen Terrorismus distanzierten.

Wieso die CDU/CSU ein klares Bekenntnis zum Islam mit einer Tendenz zu Extremismus und Terrorismus und einer vollständigen Ablehnung jeglicher Integration gleichsetzt, müsste uns Herr Friedrich einmal erklären. Dass die Studie vielleicht ein erster Vorbote für einen CSU-Wahlkampf am rechten Rand sein könnte, kann er angesichts seiner Aussagen nicht entkräften. Dass CDU/CSU zwei Parteien sind, welche entgegen der verfassungsmäßigen Trennung von Staat und Religion das Christentum bereits im Namen tragen – ist das dann ein Bekenntnis zum fundamentalistischen Christentum? Die Perfidie einer “Leitkultur”, welche auf einer “jüdisch-christlichen” Tradition aufbaue, konnte A. S. Bruckstein Çoruh in einem Artikel des Tagesspiegel hervorragend darlegen.

[Dieser Artikel enthält einige Zitate aus dem Artikel auf SPON, die nicht einzeln hervorgehoben wurden.]

01. März 2012 von instroemen
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Eurovision – Visionen von Europa

In einem Interview mit der “die tageszeitung” äußerte Thomas Schreiber, der bei der ARD für den Eurovision Song Contest zuständig ist, folgendes:

Stellen wir uns mal vor, da kommt ein Journalist aus dem Ausland nach Deutschland und betrachtet Deutschland ausschließlich durch die Brille der NSU-Morde. Es wäre die Wahrheit – aber nur in einem winzigen Ausschnitt. [...] Die Lebenswirklichkeit der Menschen in Aserbaidschan ist deutlich komplexer als der singuläre Ausschnitt, der jetzt betrachtet wird. Ja, Festnahmen von Journalisten oder Bloggern sind nicht hinzunehmen. Ja, Pressefreiheit und Meinungsfreiheit muss es geben, genau wie demokratische Wahlen. Und natürlich verdient ein Parlament ohne Opposition diesen Namen nicht. Gleichzeitig muss man sich aber auch klarmachen: Wie oft ist in Deutschland in der Vergangenheit über Aserbaidschan berichtet worden? Nicht so oft.

In diesem Abschnitt stecken einige Wahrheiten über Deutschland und Aserbaidschan, die Herr Schreiber vielleicht gar nicht intendiert hatte, auf die er den kritischen Leser dennoch hinweist.

  1. Die NSU-Morde. Allein die Abkürzung rückt diesen neonationalsozialistischen Terrorismus erneut aus seiner rechten Ecke heraus. Man sollte klar benennen, in jedem einzelnen Fall, dass es sich hier um durch die Untätigkeit der Geheimdienste staatlich geförderten Terrorismus und um die gezielte Tötung von Geschäftsleuten mit Migrationshintergrund handelt. Dass man am Anfang nur in eine menschenverachtende Richtung, nach dem Motto “Ausländer = Millieukriminalität”, ermittelt hatte. Dass der Ausschnitt leider nicht so winzig ist, wie Herr Schreiber das sieht. Dass diese Morde auch deshalb passieren konnten, weil der Verfassungsschutz auf dem rechten Auge blind war oder über bezahlte V-Männer die Taten sogar finanziert hatte. Und dass Frau Merkel auf der Gedenkfeier sprechen darf, ist angesichts folgender Aussage unserer Bundeskanzlerin ein Schlag ins Gesicht jedes Opfers: “Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!”.
    Frau Merkel hielt sich ja noch zurück, ihr Kollege von der CSU fand da doch Worte, die auch den Nazi-Terroristen sehr gut gefallen haben dürften: “Bis zur letzten Patrone” werde die CSU sich in der Berliner Koalition dagegen sträuben, dass “wir eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsystem bekommen”. Aussagen wie diese kennt man auch noch aus Hessen. Was bleibt von Roland Koch im Gedächtnis? Der Satz “Wir haben zu viele kriminelle junge Ausländer.” und die populistische Phrase “Wer sich als Ausländer nicht an unsere Regeln hält, ist hier fehl am Platze.”. Oder Jürgen Rüttgers in NRW, der in der Debatte um die Greencard äußerte “Statt Inder an die Computer müssen unsere Kinder an die Computer.”. Und dann noch die anhaltenden Debatten um eine sogenannte deutsche “Leitkultur”.
    Ich behaupte, dass rechtskonservatives, einer Demokratie unwürdiges Gedankengut in Deutschland durch diese Art der Debattenkultur, durch diese oben zitierten Sätze breit in der Gesellschaft verankert wurde. 38% der Deutschen würden aktuellen Umfragen zu Folge die CDU wählen. 38% der Deutschen unterstützen demnach auch die oben zitierten Positionen, denn diese sind bekannt und wurden umfassend öffentlich diskutiert. Und der Name Sarrazin ist noch gar nicht gefallen!
    Die CDU/CSU hat ein Klima geschaffen, in dem sich ausländische MitbürgerInnen und MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund kaum wohl fühlen können. Die Gefahr des rechten Terrorismus wurde großzügig ignoriert, gleichzeitig wurden rassistische, rechtskonservative Vorurteile und die Angst vor Linksterrorismus gestärkt. Das beschriebene Bild, das man also von Deutschland bekommen könnte – ein Staat, dessen Regierung nichts gegen Rechtsterrorismus tat und Ressentiments stärkt – ist gar nicht so falsch, auch wenn es natürlich die Gesellschaft nicht umfassend beschreiben kann.
  2. Die Lebenswirklichkeit der Menschen in Aserbaidschan.
    Die Lebenswirklichkeit als “komplex” darzustellen, sagt ja noch nicht aus, dass die Menschen keine Angst vor der Verletzung ihrer Grundrechte haben müssten, oder? Man muss nicht einmal einfache Beispiele bemühen, um diese Aussage als reine, inhaltsleere Phrase zu enttarnen. Zitat Amnesty International: “Wer in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku laut ‘Freiheit’ ruft, riskiert bis zu zehn Tage Gefängnis.”
  3. Berichte über Aserbaidschan gab es auch deshalb (außer dem eine deutliche Sprache sprechenden Amnesty International-Jahresbericht) kaum, weil Journalisten und Redakteure wie Herr Schreiber lieber die Themen auswählen, die Quote machen. Die Wahrung der Menschenrechte verkam oftmals zur Entschuldigung für Kriege, wie in Afghanistan. Wir brauchen keinen Liederwettstreit, um eine Berichterstattung zu erhalten. Wir brauchen freie, unabhängige Journalisten, die wichtige Themen weltweit erkennen und quotenunabhängig dem Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender entsprechend Beiträge für ein demokratisches Fernsehen erstellen.
    Dass so etwas möglich ist, zeigt ein 3Sat-Beitrag zu Syrien, der eine andere Sichtweise ermöglicht. Solche Berichte wünscht man sich in den Hauptnachrichten, solche Beiträge regen die Debatte an und differenzieren z.B. im konkreten Fall den Blick auf die syrische Version des arabischen Frühlings!

Ich wünsche den Menschen in Aserbaidschan, dass sie Freiheit und ein menschenwürdiges Leben erlangen werden. Einen Liederwettstreit brauchen sie dazu jedenfalls nicht, denn wenn dieser vorbei sein wird und irgend ein anderes osteuropäisches Land im nächsten Jahr einen Austragungsort bestimmen darf – spätestens dann ziehen die Journalisten weiter, und Aserbaidschan interessiert wieder keinen von ihnen.

Eine treffliche Satire stammt ebenfalls von der ARD, bzw. aus der Satiresendung extra3.

01. März 2012 von instroemen
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